Neuer Zündstoff in der Wolfsdebatte

Pressemitteilung Pferdeland Niedersachsen GmbH 22.06.2020

Am 15.06.2020 mussten die Weidetierhalter in Niedersachsen einen neuen traurigen Höhepunkt in der Wolfsproblematik hinnehmen. Mit dem Rissereignis im Raum Nienburg hat die Debatte um das Für und Wider zum Wolf eine neue Eskalationsstufe erreicht. 10 Warmblutpferde sind in ihrer Weide von Wölfen angegriffen worden.

Auf unsere Nachfrage bei einer zuständigen Stelle wurde uns bestätigt, dass zwei Pferde den Wolfsrissen zum Opfer gefallen sind. Parallelspuren, die sich bei der Begutachtung der Weide fanden, weisen darauf hin, dass mehrere Wölfe die Pferde gejagt haben. Die Pferde sind alle aus ihrer Weide ausgebrochen und konnten erst später völlig entkräftet und teilweise verletzt wieder eingefangen werden. Ein Pferd wurde auf der Flucht schwer verletzt. Die Pferde waren einer ordentlichen Haltung entsprechend eingezäunt. Sie standen als Herde auf der Weide und würden somit als wehrhaft im Sinne eines Wolfsmanagementplans angesehen werden.

Die Pferdeland Niedersachsen GmbH arbeitet seit mehreren Jahren mit verschiedenen Organisationen und Gruppierungen zusammen, um den Standpunkt der Pferdehalter zum Wolf gegenüber der Politik klarzulegen und Lösungswege zu finden. Naturschutzgesetzte auf EU-Ebene sind weitreichend und ihre Änderung oder auch nur die Findung von anderen Wegen gestaltet sich außerordentlich schwierig und ist darum so entmutigend und entkräftend für alle Beteiligten.

Mit dem Ereignis vom 15.06. hat sich auf brutale Weise gezeigt, dass es keinen ausreichenden Schutz vor Wolfsübergriffen auch auf große Tiere gibt. Wieviele Pferde insgesamt bereits durch Wölfe zu Schaden gekommen sind ist ungewiss. Man kann hier aber von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Pferde flüchten bei Gefahr sofort panisch, so ist es in ihrer DNA verankert. Bei Wolfsübergriffen, die „lediglich“ zum Ausbrechen aus den Weiden führen, bei denen sich die Pferde selbst und im schlimmsten Fall andere Menschen verletzen, kann leider nicht immer bewiesen werden, dass der Grund für den Ausbruch auf einen Wolfsangriff zurückzuführen ist. Damit sind diese Ereignisse auch nicht als belastbare Vorfälle für eine Bewertung zu nutzen.

Dieses letzte Ereignis hat die Pferdeland Niedersachsen GmbH zusammen mit der FN und dem Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement im Landvolk Niedersachsen zum Anlass genommen und einen offenen Brief an Minister Lies geschickt. (Offener Brief hier einzusehen ) In dem Brief wird auf das Rissereignis eingegangen, verbunden mit der Forderung nach höherer Priorisierung der Wolfsproblematik im Ministerium und ebenso die Forderung nach konsequenter Behandlung der Angelegenheit.

Der Minister hat sich bereits telefonisch bei der Pferdeland Niedersachsen GmbH gemeldet. Nach seiner Aussage kann erst am Dienstag eine offizielle Meldung über eine Wolfsbeteiligung rausgegeben werden. Bis dahin werden die entnommenen Proben im Labor ausgewertet. Diese Auswertungen bestimmen dann die Grundlage von weiteren Handlungen. Er versprach mit der Pferdeland Niedersachsen GmbH zu dieser Angelegenheit auf kurzem Wege im Austausch zu bleiben. Die Problematik ist im Ministerium zu einer Daueraufgabe geworden, die auch den Minister vor viele Hürden stellt. Die Pferdland Niedersachsen GmbH hat deshalb eine engere Zusammenarbeit angeboten, um aktiv weiterhin mit an der Lösungsfindung beteiligt zu sein.

13. FN-Bildungskonferenz in diesem Jahr erstmals als Online-Webinar

Aufgrund der Coronakrise wurde die FN-Bildungskonferenz in diesem Jahr erstmals online abgehalten. Unter dem Thema "Training in Krisenzeiten - was lernen wir aus der besonderen aktuellen Situation" haben am Abend des 15.06.2020 hochkarätige Referenten die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in der Pferdewelt diskutiert. 

Die Moderation des Webinars übernahm der FN Ausbildungsbotschafter Christoph Hess. Er navigierte die Teilnehmer der Bildungskonferenz durch die verschiedenen Vorträge und interviewte einige junge Trainer zu ihrer Trainerausbildung. Diese durften im Anschluss an jeden Vortrag die Gewinner der Lütke-Westhus Auszeichnung für die besten Trainerabsolventen 2019 der jeweiligen Landesverbände vorlesen.

Im ersten Vortrag widmete sich Thies Kaspereit (Leiter der FN Abteilung Ausbildung, Pferdewirtschaftsmeister Reiten und Mannschafts-Olympiasieger) den Herausforderungen und Chancen für Trainerinnen und Trainer während der Coronazeit. Zwar gab es in den vergangenen Monaten große Einschränkungen durch die anfängliche Notbewegung der Pferde und die Organisation in den Ställen, jedoch habe diese besondere Situation auch vielfältige Chancen mit sich gebracht. Zum Beispiel stehe die Ausbildung wieder im Vordergrund und es konnten durch das Arbeiten ohne den Druck bevorstehender Turniere und Prüfungen neue Motivationen gefunden werden.

Danach referierte Martin Plewa (Reitmeister, ehemaliger Bundestrainer und Leiter der westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster) über die Notwendigkeit einer vielseitigen Ausbildung für Pferd und Reiter. Statt der Ausbildung in und für nur eine Disziplin legt er besonderen Wert darauf, dass die Pferde vielseitig und vor allem vielfältig geritten werden sollen für eine artgerechte Ausbildung. Dazu gehöre das dressurmäßige Gymnastizieren ebenso wie Springgymnastik zur Förderung von Kraft und Koordination und das Reiten im Gelände, welches den natürlichen Vorwärtsdrang des Pferdes aktiviert und Gleichgewicht und Trittsicherheit schult.

Es folgte eine Unterrichtsdemonstration von Jörg Jacobs (Leiter der westfälischen Reit- und Fahrschule und Pferdewirtschaftsmeister Reiten) mit praktischen Beispielen zu einer sinnvollen Grundausbildung des Pferdes. Er zeigte beispielsweise, wie man das natürliche Gleichgewicht des Pferdes im Training erhalten und weiter fördern kann und welchen Einfluss Sitz und Hilfengebung auf die reiterliche Entwicklung des Pferdes haben.

Abnschließend gab es ein Referat von Dr. Gaby Bussmann (Sportpsychologin) und Caro Roost (Nachwuchsführungskraft FN-Abteilung Ausbildung und Pferdewirtschaftsmeisterin Reiten) über mentale Techiken zur Ergänzung zum praktischen Training. Insbesondere die Visualisierung von Aufgaben und Szenarien sowie die Verschriftlichung der mentalen Strategien wurden als sehr effektive Techniken vorgestellt.

Im letzten Vortrag referierte Hermann Grams (Diplom-Sportlehrer und Seminarleiter) über Wege der Vermittlung in Zeiten sozialer Distanz. Zunächst unterschied er zwischen den verschiedenen Formen von Distanzen und ordnete die Situation durch das Coronavirus als eine räumliche statt einer sozialen Distanzierung ein. Die dadurch entstehenden Schwierigkeiten sind, dass man in den Webinaren weniger pserönlichen Kontakt und Feedback hat, Blickkontakt nicht mehr stattfindet und Probleme mit der Technik eine gute Lernatmosphäre stören können. Alles in allem sieht er die Digitalisierung dennoch als eine Chance, Bildung für jdermann zugänglich, kostengünstiger und effizienter zu gestalten.

Am Ende des Webinars haben Eva Lempa-Röller (Fachreferentin FN-Abteilung Ausbildung und Trainer A Reiten) sowie Kathrin Krage (Mitarbeiterin FN-Abteilung Ausbildung und Pferdewirtschaftsmeister Reiten) noch über aktuelle Projekte der FN zur Aus- und Fortbildung von Trainern informiert. Sie berichteten über die neue Trainingsplattform der FN (FN LevelUp) sowie das PM-Mobil Trainer, welches ab Mitte/Ende August erstmals auf Reisen gehen soll.

Obwohl die Bildungskonferenz ihr Debüt als Online-Webinar hatte, waren die Teilnehmer sehr zufrieden mit der Durchführung und Organisation und freuten sich über die zahlreichen sehr spannenden Fachvorträge.

Die Gewinner der Spendenaktion "Wir helfen Schulpferden"

Die Pferdeland Niedersachsen GmbH hatte zusammen mit den beiden Pferdesportverbänden Hannover und Weser-Ems zu einer Spendenaktion zur Hilfe für Schulpferde in Vereinen aufgerufen. Zu gewinnen gab es Futterrationen und Sachpreise. Wir bedanken uns ausdrücklich bei den Unternehmen, die diese Verlosung mit ihren Geld- und Sachspenden ermöglicht haben:

reitsport MAGAZIN, German Horse Industry, R+V Generalagentur Michael Edzards, Oliver Warneke Tiernahrung, Eilers Futtermittel, Kneilmann Technik für Land und Hof, HKM Sports Equipment und LucyLage Pferdeheulage.

Drei große Futterlieferungen der Fa. Warneke Tiernahrung haben gewonnen:

  • Reit- und Fahrverein Hohenhameln e.V.
  • Reit- und Fahrverein Schönemoor e.V.
  • Reit- und Voltigierverein Badenstedt e.V.

100 kg Pferdemüsli der Fa. Eilers Futtermittel hat gewonnen:

  • Reit- und Fahrverein Bösel e.V.

Jeweils 10 Schwedenschaufeln für die Stallarbeit der Fa. Kneilmann haben gewonnen:

  • Reit- und Volitgierverein Kirchhorst e.V.
  • Reit- und Voltigierschule Bemerode e.V.
  • Reiterverein Hameln von 1945 e.V.
  • Reit- und Fahrverein Braunschweig e.V.
  • Pony- und Pferdefreunde Repke e.V.
  • Reiterverein Steinfeld-Mühlen e.V.
  • Reit- und Fahrverein Bühren e.V.
  • Reit- und Fahrverein Concordia Emden u. U. e.V.
  • Reit- und Fahrverein Ankum e.V.
  • Pony-Club Dinklage e.V.

Jeweils 10 Stallhalfter mit Anbindestrick der Fa. HKM Sports Equipment haben gewonnen:

  • Reitverein Fredenbeck e.V.
  • Pferdesportverein Meeresreiter e.V.
  • RVS Wedemark im Turnclub Bissendorf e.V.
  • Reitverein Hannover e.V.
  • Reitverein St. Georg Osterwald e.V.
  • Reit- und Fahrverein Uplengen e.V.
  • Reit- und Fahrverein Nordhorn e.V.
  • Reitverein Osnabrück e.V.
  • Reit- und Fahrverein Fürstenau e.V.
  • Reit- und Fahrverein Friesoythe e.V.

Die Gewinner sind bereits per E-Mail benachrichtigt worden. 

Lies: "Nichts als Polemik der Grünen beim Wolf"

(02.06.2020, UM Pl 56/2020)

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies weist die Äußerungen des Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Meyer über angebliche „illegale Wolfsjagd“ aufs Schärfste zurück. „Auch ohne Jura-Studium weiß der Grünen-Landtagsabgeordnete genau, dass das Verwaltungsgericht Lüneburg den Antrag zum vorläufigen Rechtsschutz gegen den Abschuss eines Wolfes im Landkreis Uelzen abgelehnt hat. Mitnichten ist in dem Urteil von „illegaler Wolfsjagd“ oder „Roter Karte“ für das Umweltministerium die Rede. Mit solchen Behauptungen, die vom Gericht so nie getroffen worden sind, wird nur das bisher gute parlamentarische Klima im Landtag belastet“, sagt Lies.

Der Umweltminister weist zugleich darauf hin, dass nach Wolfsrissen allein aufgrund einer DNA-Probe kein einzelnes Tier eines Rudels unter Geländebedingungen identifiziert werden kann. „Niemand weiß, wie der Wolf aussieht“, so Lies. „Weil leicht erkennbare Merkmale oftmals fehlen, lässt das Bundesumweltministerium im Bundesnaturschutzgesetz ausdrücklich die Möglichkeit offen, per Abschussgenehmigung aus einem Problemrudel ein Tier zu entnehmen, das vorher nicht eindeutig identifiziert werden konnte“, ergänzt der Umweltminister: „Und das wissen die Grünen auch ganz genau!“ Mit ihren rhetorischen Rundumschlägen versuchen sie nur zu kaschieren, dass sie mit ihrer Rechtsauffassung zum neuen Bundesnaturschutzgesetz alleine stehen. „Der Bund hat mir gegenüber nochmals unsere Ansicht ganz klar bestätigt - da gehen Bund und Land Hand in Hand. Wir halten weiter Kurs: Wolfsabschüsse erfolgen ausschließlich nach Recht und Gesetz! Dort, wo sie erforderlich sind, schaffen wir aber konsequent die Grundlagen“, betont Umweltminister Lies.

 

 

 

Kurzinfo zur Equinen Infektiösen Anämie (EIA)

FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach informiert die Mitglieds- und Anschlussverbände der FN über die Equine Infektöse Anämie.

Die EIA ist eine systemische Viruserkrankung die ausschließlich bei Einhufern auftritt und stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Der Hauptübertragungsweg sind blutsaugende Insekten, doch das Virus kann auch über das Blut infizierter Tiere übertragen werden. Dies kann zum Beispiel bei sehr engem Kontakt eines infizierten Tieres mit einem gesunden geschehen oder aber durch die Verwendung kontaminierter Blutprodukte oder tierärztlicher Instrumente.

Welche Symptome Träger der Equinen Infektiösen Anämie haben und wie der Virus mithilfe des sogenannten Coggings-Tests diagnostiziert wird können Sie in dem Informationsblatt der FN über EIA nachlesen.

In jedem Fall gilt dieser Virus zu den Erkrankungen, die unbedingt beim Tierseuchenamt angezeigt werden müssen und betroffene Tiere müssen sofort getötet werden.

Pferdeland Niedersachsen GmbH

Gesellschafter

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